Dämme für das Hochmoor

Investition in den Naturschutz: Die Bayerischen Staatsforsten starten ein Renaturierungsprogramm im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Stattliche 30 000 Euro gibt das Waldunternehmen zur Rettung des ökologisch wertvollen Hochmoors Schemer Filz aus.

Der vereiste Boden lässt den Einsatz schwerer Maschinen zu

Mit Baggern für den Naturschutz: Insgesamt 74 Dämme wurden zur Renaturierung des Hochmoors angelegt. Der gefrorene Boden machte einen bodenschonenden Einsatz möglich.

Der Bad Tölzer Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Rudolf Plochmann ist ein Überzeugungstäter in Sachen Hochmoore. Er weiß um die Bedeutung der einzigartigen Ökosysteme. „Hier leben eine Vielzahl seltener Tiere und Pflanzen, die anderswo keinen Lebensraum mehr haben.“ Deshalb – und weil er Moore „einfach wunderschön“ findet – war er von der Idee, den Schemer Filz zu renaturieren, sofort begeistert. Das für die Maßnahme nötige Geld muss aber natürlich erstmal erwirtschaftet werden, zumal Naturschutzmaßnahmen wie diese für das Waldunternehmen mit keinerlei wirtschaftlichen Vorteilen verbunden ist. „Rentable Forstwirtschaft schafft die Voraussetzungen für Projekte dieser Art“, erklärt Rudolf Plochmann.

Eine wesentliche Funktion der Moore ist ihre Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Selbst bei starken Niederschlägen oder Hochwasser nimmt der Torfboden etwa zwanzig Prozent des Wassers auf. Diese Funktion geht durch die Entwässerung, die meistens durch das Anlegen von Gräben erfolgt, verloren. Das Wasser läuft ab, das Moor trocknet langsam aus. So geschah es auch vor etwa 80 Jahren mit dem Schemer Filz. Bei der Renaturierung geht man – stark vereinfacht gesagt – den umgekehrten Weg: Man stopft die Löcher. Will heißen: Man baut Dämme, die das Wasser im Moor zurückhalten. Genau das ist in den letzten Wochen geschehen: Unter Anleitung der Landespflegerin Elisabetz Pleyl, Staatsforsten-Revierleiter Hans Bierling, dem Einsatzleiter Thomas Wametsberger und Rudolf Plochmann hat eine Fachfirma insgesamt 74 Dämme in die Gräben eingebracht, die das Wasser zurückhalten. So wird der Abfluss gestoppt, das einzigartige Ökosystem kann sich wieder entwickeln.

Hochmoore leben vom Niederschlag. Sie haben keinen Grundwasserzugang und sind sehr nährstoff- und sauerstoffarm. Als Konsequenz werden pflanzliche Reste im Wasser nicht vollständig abgebaut, sondern bilden immer neue Torfschichten, die das Moor pro Jahr etwa einen Millimeter in die Höhe wachsen lassen. Daher auch der Name „Hochmoor“: das Moor wächst in die Höhe. Bis der Schemer Filz seinen ursprünglichen Zustand erreicht hat, werden wohl einige Jahrhunderte vergehen. Aber der Anfang ist gemacht, nicht zuletzt durch die Initiative der Bayerischen Staatsforsten.

Entstanden ist der Schemer Filz bei Leger nach der letzten Eiszeit. Die Gletscher zogen sich zurück, es entstanden Seen. Aus ihnen ist in einem langsamen und komplexen Prozess ein etwa 24 Hektar großes Hochmoor entstanden. Vermutlich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Moor entwässert, um die Fläche nutzbar zu machen. Insgesamt elf Gräben wurden in Schwerstarbeit, vermutlich von Kriegs- und Strafgefangenen angelegt. Die Bedeutung der Moore für die Natur und Artenvielfalt wurde erst Jahrzehnte später erkannt. Viele der wertvollen und jahrtausende alte Biotope wurden durch die Entwässerung unwiederbringlich zerstört.



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