Schutzwaldbewirtschaftung bei den Bayerischen Staatsforsten

Alles Gute kommt von oben. Aber nicht alles, was von oben kommt, ist auch gut. Die Bewohner der bayerischen Alpen können ein Lied davon singen: Steinschlag, Erdrutsch, Lawinen und Starkregen mit Überschwemmungen sind eine ständige Bedrohung für die Menschen in dieser Region.

Schutzwald

Schutzwald: Informationsveranstaltung vor prächtiger Kulisse

Fast genauso alt wie die Bedrohungen sind die Versuche, sich dagegen zu schützen. Mit der Entwicklung der Alpenregion vor allem als Urlaubsziel wurden Verkehrswege ausgebaut, Siedlungen rückten näher an die Berge heran. Vor allem die Schutzfunktion der Bergwälder wird immer wichtiger. Um diese so genannten Schutzwälder ging es bei einer Informationsveranstaltung der Bayerischen Staatsforsten am 26. Juni in Ruhpolding.

Die Bayerischen Staatsforsten sind für rund 140.000 Hektar Bergwald zuständig, etwa 90.000 Hektar davon sind Schutzwald. Der Forstbetrieb Ruhpolding - einer von sieben Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten mit Hochgebirgsflächen - hatte den Deutschen Alpenverein, den Bund Naturschutz, den Landesbund für Vogelschutz und den Verein zum Schutz des Bergwelt zu der Veranstaltung eingeladen. Ziel war es, direkt auf einzelnen Bergwald- und Sanierungsflächen aktuelle Erkenntnisse mit den Vertretern der beteiligten Verbände zu diskutieren.

Der Schutzwald ist im Wesentlichen drei Gefahren ausgesetzt: Stürme, Borkenkäfer und Schädigung der Jungbäume durch Wildverbiss. Die Antwort der Bayerischen Staatsforsten darauf fasst Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller vom Forstbetrieb Ruhpolding so zusammen: „Wir setzen auf gezielten Waldumbau. Fichtenwälder werden nach und nach in Mischwälder umgewandelt. Dadurch sind sie widerstandsfähiger gegen Stürme und auch gegen den Borkenkäfer.“

Damit die jungen Pflanzen überhaupt wachsen können, müssen sie vor allem vor allzu gefräßigen Gemsen, Hirschen und Rehen geschützt werden. Höglmüller: „Die Jagd im Staatswald hat vor allem das Ziel, Verbissschäden durch Wild zu verhindern.“ Die Wälder sollen sich natürlich verjüngen. Dies bedeutet, dass sich die Samen der Altbäume ohne einen direkten menschlichen Eingriff zu Jungpflanzen entwickeln. Bäume aus natürlicher Verjüngung haben stabilere Wurzeln und wachsen besser. Und die Waldbesitzer sparen jährlich hunderttausende Euros, denn Pflanzungen – besonders im Gebirge – sind teuer.

Ein weiterer Vorteil intakter Bergwälder: Sie können im Vergleich zu humusarmen, verlichteten Wäldern ein Vielfaches an Wasser speichern – ein großer Vorteil vor allem in niederschlagsreichen Jahreszeiten oder bei starken Regenfällen.

Die Bayerischen Staatsforsten haben im Geschäftsjahr 2008 im Schutzwald auf einer Fläche von 113 Hektar neue Waldbestände per Pflanzung begründet und 174 Hektar Jungestände gepflegt. Insgesamt 6,3 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben, den größten Teil finanzierte der Freistaat Bayern.



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