Vom Glück im Walde

Als Politiker nicht mehr im Amt, aber keineswegs a.D.: Ein Gespräch mit dem ehemaligen bayerischen Landtagspräsidenten Alois Glück über den Wald und seine vielfältigen Funktionen.

Alois Glück

Herr Glück, gehören Sie aufs Land oder in die Stadt?

Ich bin aufgewachsen in der Landwirtschaft, habe Landwirtschaft gelernt und lebe in meinem heimatlichen Dorf. Ich war nur einmal sieben Jahre weg, in München. Ich bin ein Landmensch.

Und Sie sind ein passionierter Bergsteiger?

Ich gehe gerne in die Berge, aber leider zu wenig. Nun hoffe ich, dass ich jetzt mehr dazu komme. Ich wohne 10 km nördlich von Traunstein. Von dort bin ich in einer halben Stunde in diesem Gebiet – Inzell/Ruhpolding. Also, das müsste klappen.

Lernt man das Klettern in der Politik?

Nein. Was man in der Politik vielleicht lernen könnte, ist das Sichern. Aber das lernt man beim Klettern draußen in der Natur, am Berg, natürlich noch besser. Von der Natur kann man überhaupt eine Menge lernen. Als Vorsitzender der Bergwacht in Bayern merke ich aber, dass viele Menschen das Gespür für die Natur verloren haben – leider. Sie sind der Natur entfremdet.

Der Wald gehört den Bürger, sagt man. Also auch mir?

Ich muss Sie enttäuschen. Der einzelne Bürger ist kein individueller Besitzer. Aber in der Bayerischen Verfassung gibt es das Betretungsrecht der freien Natur. Das hat Wilhelm Hoegner, einer der geistigen Väter unserer  Verfassung, aus der Schweiz mitgebracht. Für ein Gebirgsvolk und eine Gebirgsregion war das eine echte Errungenschaft.

Gilt das Betretungsrecht auch für Privatwälder?

Das Betretungsrecht gilt für alle Wälder. Also für den Wald schlechthin, einschließlich der Privatwälder. Wie übrigens auch für die gesamte Natur. Bei den landwirtschaftlichen Fluren allerdings nur außerhalb der Vegetationszeit.

Aus der 200 Jahre alten Staatsforstverwaltung sind die Bayerischen Staatsforsten entstanden. Wie ist es dazu gekommen?

Man hat nach einer Struktur gesucht, wie der Staatsforst betriebswirtschaftlich effizienter organisiert werden kann. Unter Bewahrung der Gemeinwohlmaßstäbe des Bayerischen Waldgesetzes! Die Reform steht also in Verbindung zu der Erfahrung, dass klassisch staatliche Strukturen weniger geeignet sind, um unternehmerisch tätig zu sein.

Heraus kam die AöR. Eine „Anstalt öffentlichen Rechts“. Warum keine GmbH?

Bei der Anstalt öffentlichen Rechts konnte man die staatliche Verantwortung für die Natur stärker verankern. Was die unternehmerische Verantwortung angeht, gibt es kaum einen Unterschied.

Waren Sie an den Prozessen beteiligt, die zur Gründung der Bayerischen Staatsforsten führten?

Ja, das war in der Zeit, als ich noch als Fraktionsvorsitzender der CSU im Parlament war. Es gab damals eine sehr heftige Debatte um die Staatsforstverwaltung und die Reform. Der erste Anlauf der Regierung wurde gestoppt; woran ich damals nicht unbeteiligt war. Meine Ablehnung hatte aber keinen grundsätzlichen Charakter, mir schien die erste Vorlage nur ein unausgereifter Schnellschuss zu sein. Später hat es dann eine gründlichere Debatte gegeben und ein ausgewogenes Ergebnis.

Die Bayerischen Staatsforsten, so wie es sie gibt, sind also ein Kind der Politik.

Letztlich schon, denn die Politik hat es beraten, hat es entschieden und muss es verantworten.

Wenn Sie sagen, dass der Prozess intensiv diskutiert worden ist, gilt das auch für die wirtschaftliche Ausrichtung der Bayerischen Staatsforsten?

Natürlich war die Optimierung der betriebswirtschaftlichen Vorgänge ein Ziel, wir wollten wirtschaftlicher, erfolgreicher sein. Gleichzeitig wurden aber auch klare Grenzen gesetzt, was die Bewahrung der Gemeinwohlfunktionen angeht. Es ging also um eine Lösung, die die Balance hält zwischen dem Ziel, die bestmöglichen Erlöse zu erzielen und gleichzeitig die Gemeinwohlfunktion des Waldes zu erhalten. Klar war aber immer, der Wald ist mehr als ein betriebswirtschaftliches Gut. Insofern stehen im Zweifelsfall die Gemeinwohlfunktionen über den betriebswirtschaftlichen Interessen.

[…]

Das vollständige Interview von Gernot Wüschner mit Alois Glück lesen Sie in „Zahlenwald“, der Neuausgabe des Magazins der Bayerischen Staatsforsten. Erscheinungstermin ist der 21. September.  

Sie können das Magazin kostenlos über unsere Homepage abonnieren oder (ab 21.9.) als pdf herunterladen.



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