80 Prozent der Deutschen befürworten nachhaltige Waldnutzung
Man sagt den Deutschen ein besonders emotionales Verhältnis zu ihrem Wald nach. So ganz stimmt das nicht, denn eine aktuelle Umfrage zeigt, dass unsere Landsleute dem Wald mindestens genauso rational gegenüberstehen.
Ganz klar: Der Wald weckt Emotionen. Von den Brüdern Grimm bis zur Diskussion um das Waldsterben, von den deutschen Romantikern bis zum Waldumbau des 21. Jahrhunderts: Der Wald beschäftigt die Gemüter, jede vermeintliche Bedrohung des wertvollen Guts wird argwöhnisch beäugt. Sicher ist aber auch, dass sich die Deutschen in Sachen Wald nicht nur von ihren Emotionen leiten lassen. Dies zeigt eine vom Zentrum für Umweltforschung in Auftrag gegebene Studie. Das Ergebnis erstaunt zunächst, denn jenseits von althergebrachter Romantik befürworten 80 Prozent der Deutschen die Nutzung des Waldes. Voraussetzung ist allerdings, dass die Nutzung nachhaltig ist, das heißt, dass nicht mehr Holz entnommen wird als nachwächst. Das gebietet nicht nur die Vernunft, sondern in Bayern auch eines der strengsten Waldgesetze überhaupt. Mit Ausnahme des Orkanjahres 2007 haben die Bayerischen Staatsforsten seit ihrem Bestehen dem Wald jedes Jahr deutlich weniger Holz entnommen als nachgewachsen ist. Im Klartext heißt das: Der bayerische Staatswald baut Substanz auf. In den Geschäftsjahren 2006-2009 steht bei den Bayerischen Staatsforsten einer Holzernte von 22,1 Millionen Festmetern ein Zuwachs von 24,4 Millionen Festmetern gegenüber – und das trotz Orkan Kyrill, der Anfang 2007 enorme Sturmschäden verursachte.
Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass die Forstwirtschaft einen guten Ruf genießt. Fast siebzig Prozent der 3.756 Befragten sind der Überzeugung, dass die Wälder heute ökologischer als vor zehn Jahren bewirtschaftet werden. Besonders in der Person des Försters sehen die Deutschen eine Instanz, die den Wald schützt und seine Zukunftsfähigkeit garantiert.
Über das genaue Aufgaben der Förster wusste dagegen die Mehrheit der Befragten nicht näher Bescheid. Auch in Punkto Waldwissen deckte die Studie Defizite auf: Dass Bäume Sauerstoff liefern, Luft filtern oder Tier- und Pflanzenarten beherbergen, ist nur einem Drittel der Befragten bekannt. Hier sind waldpädagogische Maßnahmen gefragt. Das Problem dabei beschreibt Peter Neitzke vom Ecolog-Institut, das die Studie durchführte, so: „Mit dem Standardprogramm wie Führungen, Ausstellungen oder Infomaterialien werden die immer gleichen Naturinteressierten, Waldromantiker und die Waldfreunde erreicht.“ Ziel müsse eine Professionalisierung der forstlichen Umweltbildung sein. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde deshalb ein Förderschwerpunkt initiiert. Ziel ist es, ein Netzwerk für Wissenschaft und Praxis zu schaffen, unter anderem mit dem Schwerpunkt, wie die Wertschöpfungskette Forst-Holz sowohl gewinnorientiert als auch ökologisch verträglich und sozial gerecht optimiert werden kann. Die Richtige Mischung also aus Romantik und Verstand.
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