Seltene Flugkünstler

Eine der ganz wenigen, wenn nicht die einzige Kolonie von baumbrütenden Mauerseglern hat ihr zuhause im Staatswald im Spessart.

Mauersegler

Mauersegler fliegen bis zu 200 Stundenkilometer schnell. (Foto: Klaus Roggel, s.u.)

Die Übung macht den Meister. Das gilt für viele Lebenslagen, und bei den Mauerseglern zeigt sich die Wahrheit des Spruches beim Fliegen. Sie sind wahre Meister. Sie können schnell (bis zu zweihundert Stundenkilometer), sie können hoch (dreitausend Meter und mehr sind möglich), und sie können weit: Den Winter über sind sie dort, wo unsereins bei den unwirtlichen Temperaturen auch gerne wäre, nämlich im Süden. Zum Beispiel im Süden Afrikas. Mauersegler schlafen und paaren sich sogar im Flug.

Nur Brüten geht noch nicht in der Luft. Dazu müssen sich selbst Mauersegler einen festen Untergrund suchen. Meistens sind das Mauernischen, Dachziegeln, Hausfassaden, Kirchtürme oder andere große Gebäude. In seltenen Fällen können das auch Bäume sein. Wie zum Beispiel im Spessart. Hier lebt eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar die einzige baumbrütende Mauersegler-Kolonie Bayerns. Jann Oetting, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Rothenbuch, erklärt das so: „Mauersegler brüten bei uns - anders als üblich - im Wald: in Baumhöhlen alter Eichen, und im Spessart haben wir verhältnismäßig viele solcher Alteichen.“ Die Rahmenbedingungen passen also, und damit sich daran auch nichts ändert, nimmt der Forstbetrieb die gebotene Rücksicht auf die Vögel. An den Orten, an denen der Mauersegler brütet und lebt, werden forstliche Maßnahmen praktisch nur im Winter durchgeführt, wenn die Vögel in den warmen Süden gezogen sind. Brutbäume sind absolut tabu, werden also nicht gefällt. Der Forstbetrieb verzichtet dabei auch auf viel Geld: „Einige der Eichen haben Furnierholzqualität, mit diesen Bäumen könnte man gutes Geld verdienen. Trotzdem lassen wir diese Bäume stehen, um dem Mauersegler eine Heimat zu bieten“, sagt Oetting.  Die Brutbäume werden sogar regelmäßig gepflegt: Beispielsweise werden nachdrängende Buchen entfernt mit dem Ziel, den Vögeln die unbedingt notwendige freie Einflugschneise zu erhalten.

In den Hohlräumen der Bäume werden nach erfolgreicher Partnersuche die Eier abgelegt. In den meisten Fällen sind das drei Stück, die über einen Zeitraum von circa 20 – 25 Tagen ausgebrütet werden. Danach folgt der für die frisch gebackenen Vogeleltern anstrengende Teil: Der Nachwuchs will gefüttert werden, Insekten und Spinnen stehen auf dem Speiseplan. Die Mauersegler haben dafür eine interessante Technik entwickelt. Je nach Größe sammeln Mauersegler bis zu 1500 Beutetiere in ihrem Kropf und formen daraus einen Futterballen.

Mauersegler haben übrigens eine hohe Nesttreue: Sie kehren über Jahre hinweg immer wieder in das selbe Nest zurück. Ob das an den fürsorglichen Förstern im Spessart liegt, wurde bisher aber noch nicht erforscht.

(Foto mit freundlicher Genehmigung: Klaus Roggel)



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