Abrakadabra – dreimal schwarzer Holunder!
Von der Heilkraft der Pflanzen - ein Ausflug in die Natur-Medizin
Es ist schon eigenartig, dass uns die Natur wohltuende Arznei in prachtvollen Farben und Formen darbietet, wir aber lieber in die nächste Apotheke spazieren, um synthetische Präparate in runder, schwer schluckbarer Form zu kaufen. Zugegeben ich bin kein gallischer Druide und braue in meiner Freizeit auch keine Zäubertränke, doch ich bin dem Wissen um die Heilkraft der Pflanzen auf der Spur. Denn dabei handelt es sich nicht um Zauberei oder Hexenwerk. Schon in der Antike wurde die Wirkung von Pflanzen erforscht und gezielt für die Gesundheit eingesetzt.
Der Wald liefert uns tatsächlich nicht nur frische Luft und idyllische Ausblicke, sondern auch den größten Medizinschrank der Welt. Kopfschmerzen, Völlegefühl und Stress – die Volksleiden unserer Zeit – sie alle können auf natürlichem Wege behandelt und überwunden werden. Wie, ist einfach zu lernen. Kommen Sie mit mir auf eine kleine Entdeckungsreise und spüren Sie die Kraft des Waldes:
Kamille (Matricaria recutita):
Die Kamille ist der Wunderheiler unter den Pflanzen und in unseren Breitengraden die wohl bekannteste Heilpflanze. Sie wirkt entzündungshemmend und wundheilend. Daher wird sie bei schmerzhaften Erkrankungen wie Zahnschmerzen, Durchfall, Rheuma und Entzündungen eingesetzt. Darüber hinaus empfiehlt sie sich als Nervenmittel gegen Stress, Ärger und Überforderung.
Johanniskraut (Hypericum perforatum):
Dieses Kraut hat seinen Namen von dem Johanniterorden im Mittelalter. Als steter Begleiter auf Kreuzzügen diente er zur Abwehr von Krankheiten und Unheil. Man glaubte sogar, es vertreibe die bösen Geister und brühte davon einen Tee für Geisteskranke auf. Auch heute noch vertreibt Johanniskraut die bösen Geister und zwar die des Gemüts: es mildert Depression und schlechte Laune.
Bärlauch (Allium ursinum):
Schon die alten Germanen erkannten die gewaltigen Kräfte dieses Zwiebelgewächses. Bärenstark fühlten sie sich nach seinem Verzehr. Der Name kommt allerdings wirklich vom Bären. Denn nach dessen Winterschlaf braucht er diese Pflanze erst einmal zur Verdauung. Bärlauch regt aber nicht nur die Verdauung an, sondern reinigt den ganzen Körper. Er kehrt giftige Stoffe aus und bohnert das Blut. Als Cousin des Knoblauchs ist er in der Küche vielseitig einsetzbar und im Wald kaum zu verfehlen. (Achtung: Verwechslungsgefahr mit giftigem Maiglöckchen)
Pfefferminze (Mentha piperita):
Der Star unter den Heilpflanzen ist die Pfefferminze. Denn sie lindert die häufigsten Beschwerden aller Deutschen: ihr Tee beruhigt Magen- und Darmbeschwerden, als Öl auf die Schläfen vertreibt sie lästige Kopfschmerzen. Und dank ihres angenehm frischen Duftes wird sie überall gerne gesehen.
Brennnessel (Urtica dioica):
Die Kernkompetenzen dieser krautigen Pflanze sind Blutreinigung, Entschlackung und Anregung des Harntriebs. Somit ist sie die beste Hilfskraft bei Fastenkuren. Auch gegen Rheuma macht sie sich stark. Mutige Patienten lassen sich sogar von ihr auspeitschen. Doch Vorsicht beim Umgang mit der Brennnessel: Ihr Stängel ist besetzt von unerbittlichen Brennhaaren. Diese muss man schon von unten nach oben überstreichen, dass der stechende Ruckreiz ausbleibt.
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra):
Eine wahre Vitaminspritze sind die Beeren dieses Strauches. Deshalb helfen sie vor allem bei Grippe und Erkältung. Doch Vorsicht: schwarzer Holunder muss zuerst gekocht werden, sonst verursacht er Magenschmerzen.
Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum):
Gewinner der Wahl zur Arzneipflanze des Jahres 2008 ist die gewöhnliche Rosskastanie. Sie überzeugte die Jury mit ihrem Talent, Rheuma, Gicht, Gliederschmerzen und Verstauchungen zu lindern. Für eine Kastanien-Tinktur zerkleinern Sie frische Kastanien und füllen eine Flasche damit zur Hälfte auf. Mit Brennspiritus übergießen und ca. 8 Monate vor Sonnenlicht geschützt ziehen lassen. Bei Bedarf die schmerzenden Stellen damit einreiben.
Doch jetzt verliere ich mich schon in Details wie Rezepte. Die Welt der Heilpflanzen ist einfach zu groß, um in einer kurzen Abhandlung alle Charaktere vorzustellen. Aber wenn Sie Lust bekommen haben, sich vom Wald therapieren zu lassen, dann schauen Sie einfach in ein herkömmliches Lexikon der Heilpflanzen (Link: www.g-netz.de/Health_Center/heilpflanzen/ ) und dann nichts wie ab in das nächste Behandlungszimmer und Zutaten besorgen. Viel Spaß und stets eine gute Gesundheit!
von Kerstin Weidmann
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