Fitnessprogramm für den Bergwald
Schutzwaldsanierung, Schutzwaldpflege und konsequente Bejagung seien unverzichtbar, um die Schutzwirkungen der Bergwälder zu erhalten bzw. wiederherstellen, sagte Forstminister Josef Miller bei einem Pressegespräch in Kreuth im Landkreis Miesbach. Vorstand Reinhardt Neft unterstrich die Verantwortung, die das Unternehmen BAYERISCHE STAATSFORSTEN im Alpenraum seit 01. Juli 2005 übernommen hat.
22.11.2005 - Kreuth Dies habe, so Miller, gerade im Gebirgsraum existenzielle Bedeutung, denn: „Bergwälder schützen Straßen und Siedlungen vor Lawinen, Hochwasser und Erdrutschen.“ 3,9 Millionen Euro erhält das für die Staatswaldbewirtschaftung zuständige Unternehmen Bayerische Staatsforsten für Pflegemaßnahmen im Bergwald. Weitere 1,85 Millionen Euro fliessen in die Schutzwaldsanierung. Bayerische Staatsforsten - Vorstand Reinhardt Neft in Kreuth: "Wir werden unseren Auftrag pflichtbewusst und mit viel Einsatz von Know-How und Fachpersonal erfüllen. Die Finanzmittel des Freistaats Bayern werden wir zielgerecht und wirtschaftliche einsetzen." Die Bayerische Staatsforsten habe sich dazu ein schlagkräftiges Hochgebirgskonzept gegeben, so Neft.
Nach Auskunft des Ministers können derzeit neun Prozent der rund 150 000 Hektar Schutzwald ihre lebenswichtigen Funktionen nur bedingt erfüllen. Probleme bereiten alte Wälder, in denen zu wenig schützende Jungbäume nachwachsen sowie die hohe Zahl instabiler Fichten-Reinbestände im Alter von 30 bis 100 Jahren. Als Brennpunkte nannte Miller den „Fahrenberg“ im Landkreis Bad Tölz, den „Hagenberg“ im Landkreis Miesbach, die „Weißwand“ und den „Antoniberg“ im Landkreis Berchtesgadener Land sowie „Hinterstein“ und „Riedbergpass“ im Landkreis Oberallgäu.
Hier setzt das Schutzwaldsanierungsprogramm an: Standortgemäße Baumarten wie Tanne, Buche, Bergahorn, aber auch Fichte werden gepflanzt und bei Bedarf mit Stützbauten vor Gleitschnee geschützt. Seit 1986 hat der Freistaat in Oberbayern und im Allgäu rund 56 Millionen Euro in die Schutzwaldsanierung investiert und fast elf Millionen Bäume gepflanzt. Auf über 60 % dieser Bergwälder übernimmt dies nun die Bayerische Staatsforsten.
Noch wichtiger als die aufwändige Sanierung ist nach Aussage des Ministers die vorbeugende Schutzwaldpflege. Ihr Ziel sei es, durch Auflichtung des Kronendaches zur Förderung der Naturverjüngung, Pflanzung junger Bäume bei nicht ausreichender Naturverjüngung, Verbesserung der Strukturvielfalt in den Jungbeständen oder Bekämpfung des Borkenkäfers zu verhindern, dass neue Sanierungsflächen entstehen. „Gerade in Zeiten knapper Haushaltskassen müssen wir frühzeitig investieren, noch bevor die Waldbestände zum Sanierungsfall werden“, sagte der Minister. So koste etwa ein Hektar Sanierungspflanzung bis zu 30 000, ein Hektar Lawinenverbauung gar bis zu 500 000 Euro.
Entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewirtschaftung der Schutzwälder ist zudem, dass die Jungbäume möglichst rasch und unbehelligt wachsen können. Das in Hochlagen ohnehin langsame Wachstum dürfe nicht auch noch durch den Verbiss von Reh, Hirsch oder Gams verzögert oder schon nach kurzer Zeit beendet werden. Gerade im Bergwald gebe es deshalb zu einer intensiven Bejagung keine Alternative. Miller: „Die Regulierung der Schalenwildbestände ist unabdingbar zur Sicherung der Schutzfunktionen im gesamten Bergwald.“
Wie der Minister mitteilte, hat sich in den rückliegenden Jahren im Bergwald der Bayerische Staatsforsten die Verjüngungssituation erheblich verbessert. Inventuren zufolge habe sich der Anteil der Altbestände, die mit jungen Bäumen unterwachsen sind, von 17 Prozent im Jahr 1986 auf 34 Prozent verdoppelt. Und während vor zwanzig Jahren noch zwei Drittel der jungen Bäume Fichten waren, sind es heute zu zwei Drittel Laubhölzer und Tanne.
Dem Schutzwaldmanagement misst Miller für die Zukunft große Bedeutung bei. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen Bayerische Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung bekräftigte Vorstand Reinhardt Neft bei der Veranstaltung. In den staatlichen Wäldern
übernimmt das Unternehmen „Bayerische Staatsforsten“ die praktische Ausführung, die Finanzierung erfolgt aus dem Staatshaushalt abzüglich der Verwaltungskosten. Miller: „Damit ist die Fortführung der Schutzwaldsanierung unabhängig vom Holzerlös gesichert.“
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