Tannenzapfenzupfer und Waldverjüngerer
Der Baum ruft, die Zapfen sind reif!
O’zapft is! Und das in luftiger Höhe! Schlegel und Zapfanlage werden zwar nicht benötigt, scharfes Schneidwerkzeug und Kletterausrüstung dafür umso mehr. Es geht hier auch nicht um Bier und Oktoberfest, sondern um die Tannenzapfenernte. Und die ist zurzeit in vollem Gang. Höhenangst sollte man als Zapfenzupfer aber nicht haben …
Tannen sind einer der Hoffnungsträger für die bayerischen Wälder. Borkenkäfer, Stürme und Klimawandel sind eine massive Bedrohung für die heimische Fichte. Die Lösung heißt Waldverjüngung und Waldumbau. In diesem Prozeß hat die Tanne sehr gute Karten, oder genauer gesagt, sehr gute Wurzeln: „Ein großer Vorteil der Tanne ist das intensive Herzwurzelsystem, mit dem sie Stürmen besser standhalten kann. Und mit ihren tiefgreifenden Wurzeln erschließt sie Wasser in Bodenregionen, die für eine Fichte unerreichbar wären“, erklärt Forstbetriebsleiter Fritz Maier von den Bayerischen Staatsforsten.
In seinem Forstbetrieb in Nordhalben im Frankenwald schätzt er den Tannenbestand auf etwa ein Prozent. Für einen gesunden Mischwald ist das deutlich zu wenig. Das hoch gesteckte Ziel der Bayerischen Staatsforsten liegt bei mittelfristig sechs Prozent Tannenanteil im Frankenwald: Eine gewaltige Herausforderung für alle Forstbetriebe, denn allein die Samenernte ist sehr aufwändig: Im Gegensatz zu Fichtenzapfen zerfallen die Tannenzapfen noch am Baum. Die herabrieselnden Samen sind ein – im wahrsten Sinne des Wortes - gefundenes Fressen für Mäuse und andere Nager. Natürliches Wachstum und Waldverjüngung sind auf diese Weise nicht in ausreichendem Maße möglich.
Und hier kommen die Tannenzapfenzupfer ins Spiel. Fritz Maier hat für seinen Betrieb zwei Experten aus dem Betrieb in Forchheim angefordert. Eine gute Ausbildung, Mut und eine spezielle Kletterausrüstung sind die Voraussetzung für diese gar nicht ungefährliche Tätigkeit. Etwa dreißig Kilo Zapfen ernten Hubertus Schlaug und Oliver Wolf pro Tanne, und das in einer Höhe von zwanzig bis vierzig Metern.
Aus den daraus gewonnen 1,5 Kilogramm Samen werden in den beiden Pflanzgärten der Bayerischen Staatsforsten in Bindlach und Laufen bis zu 6000 Tannen gezogen. Allein im Forstbetrieb Nordhalben und im benachbarten Rothenkirchen werden auf diese Weise pro Jahr insgesamt 50 Hektar Tannenwald aufgeforstet, also die Größe von 40-50 Fußballfeldern.
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