Neues Naturwaldreservat im Spessart
Der Gaulskopf ist eine echte Rarität. Alte Buchen- und Eichenbestände machen das 62 Hektar große Areal zu einer Besonderheit im Spessart. Nun wurde das Gebiet auf Antrag der Bayerischen Staatsforsten zum Naturwaldreservat erklärt.

V.l.n.r.: Landrat Thomas Schiebel, Klaus Bernhart (Leiter Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt), Winfried Drexler (Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft), Forstbetriebsleiter Jann Oetting. (Foto: Annette Helfmann)
Die Idee stammt noch von seinem Vorgänger Harald Loy. Den eigentlichen Antrag hat vor einem Jahr der jetzige Leiter des Forstbetriebs Rothenbuch, Jann Oetting, gestellt. Vor kurzem kam das Plazet aus München: Staatsminister Helmut Brunner hat den Gaulskopf zum Naturwaldreservat erklärt. Größere Bestände von über 300-jährigen Eichen und 180-jährigen Buchen machen das Gebiet besonders interessant für Naturschutz und Wissenschaft. Die dortigen alten Waldbestände haben viele ökologisch wertvolle Strukturmerkmale wie zum Beispiel Mulmhöhlen, Spechthöhlen und hoher Totholzanteil. Seltene Vogel-, Käfer und Pilzarten finden dort ihren Lebensraum.
Für die Wissenschaftler vor allem spannend ist, wie sich das Gebiet weiter entwickelt. Denn Naturwaldreservate sind aus der Bewirtschaftung ausgenommen. Holzentnahme oder Waldpflege findet nicht mehr statt, nur Verkehrssicherungsmaßnahmen sind erlaubt. Für den Gaulskopf wird das bedeuten, dass sich langfristig die Buche gegen die Eiche durchsetzt. „Sie hat klimatisch gesehen schlicht die besseren Voraussetzungen. Unsere wertvollen und berühmten Eichenbestände konnten nur aufgrund der aktiven Forstwirtschaft so gut gedeihen“, erklärt Oetting die prognostizierte Entwicklung im neuen Naturwaldreservat.
Im Grunde sind Naturwaldreservate die Urwälder von morgen. Die Forscher erhoffen sich von ihnen wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung des Waldes ohne Zutun des Menschen. Vor allem im Hinblick auf den Klimawandel und den damit verbundenen Waldumbau sind Naturwaldreservate äußerst wertvoll. Die daraus gewonnen Aufschlüsse werden nicht nur Grundlage für die zukünftige Bewirtschaftung der Staatswälder sein, sondern auch für private Waldbesitzer wichtig werden.
Eines ist schon jetzt klar: Der relativen Armut an Baumarten in Naturwaldreservaten steht ein außergewöhnlicher Artenreichtum gegenüber. Käfer und Pilze, deren Lebensraum anderswo bedroht ist, finden hier eine Heimat. Aber auch einige äußerst seltene Vögel wie der Mittelspecht oder der Halsbandschnäpper siedeln gerne in Naturwaldreservaten.
In Bayern gibt es derzeit 156 Naturwaldreservate auf einer Fläche von 6800 Hektar. Fast alle liegen im Staatswald. Mit der Ausweisung des Gaulskopfes zum Naturwaldreservat gibt es allein im Fortbetrieb Rothenbuch drei solcher besonderen Schutzgebiete.
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