Schutz der Bergwälder: Strategie in Staatsjagden optimiert.
Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF), verantwortlich für rund 60 Prozent der bayerischen Bergwälder der Alpen, werden ihre jagdlichen Anstrengungen in den besonders sensiblen Schutzwäldern deutlich erhöhen.
(1. September 2008) – Regensburg „Die Jagd ist generell der Erfolgsgarant für das Aufwachsen von neuem Jungwald“, so Reinhardt Neft, zuständiger Fachvorstand der BaySF. „Da die BaySF dem Gemeinwohl besonders verpflichtet ist, haben wir auch eine besondere Verantwortung für den Schutz und Erhalt des Bergwaldes und der Schutzwälder“, so Neft weiter.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse einer betriebsinternen Stichprobenaufnahme lassen im Vergleich zum Vorjahr, wenngleich örtlich unterschiedlich, insgesamt einen Anstieg der Verbissbelastung durch Schalenwild erkennen. Auch Erkenntnisse der Fachstellen für Schutzwaldmanagement der Bayerischen Forstverwaltung deuten in die gleiche Richtung. Diese Entwicklung war wegen der großen jagdlichen Anstrengungen der letzten Jahre nicht zu erwarten. So konnten im zurückliegenden Jagdjahr in der Regiejagd der sechs bayerischen Hochgebirgsforstbetriebe der BaySF mit über 9.000 Stück Schalenwild die bisherigen Abschusszahlen nochmals übertroffen werden.
Der nun erarbeitete Maßnahmenkatalog soll den Jagdbetrieb so optimieren, dass die Verbisssituation im Bergwald verbessert wird. Das jagdliche Maßnahmenpaket wird ab 1. September 2008 von den betroffenen Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten umgesetzt und ist als erster Schritt eines mehrstufigen Vorgehens zu sehen. Kernstück dieses Katalogs ist die Einteilung der Jagdflächen in Zonen unterschiedlicher Bejagungsintensität. In der Zone 1, dies sind im Wesentlichen die Sanierungsgebiete, wird die Bejagung weiter verschärft. Beispielsweise sollen hier erfahrene, leistungsfähige und ortskundige Jägerinnen und Jäger Reh, Hirsch und Gams kostenlos bejagen können. Die Zone 2 umfasst die übrigen Flächen des Bergwaldes. Auch hier ist eine natürliche Verjüngung des Bergwaldes durch die Jagd sicherzustellen. In Gamshabitaten oberhalb der Waldgrenze (Zone 3) wird die Jagd extensiviert, soweit keine Beeinträchtigung von Schutzwald und Sanierungsflächen zu erwarten ist. Bei der Zonierung werden auch wildbiologische Aspekte durch die örtlich zuständigen Forstbetriebe der BaySF beachtet.
Nach einer ersten Phase in der Hauptjagdzeit bis Dezember wird die Wirksamkeit des neuen Konzepts evaluiert. Die Streckenergebnisse und die im Herbst vorliegenden Inventurergebnisse der Bayerischen Forstverwaltung in den Sanierungsgebieten werden zur Nachjustierung genutzt. Auch eine personelle Verstärkung auf jagdlichem Gebiet wird vorgenommen.
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Kommentare
Wolfgang Lutz
08.11.2008 - 19:39 Uhr
Ein Problem resultiert in aller Regel aus einem Extrem. So kann ich schon nachvollziehen, daß ein extremer Wildbestand zu übermässigem Verbiß führt. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß Problemlösungen oft im anderen Extrem enden. Hier wäre das andere Extrem ein zu straffer Abschuß, mit dem Erfolg, daß die Bejagung wegen überall wuchernder Natürverjungungen nahezu unmöglich wird. Deshalb hoffe ich für das Wild und die Jäger, daß die BaySF den goldenen Mittelweg erwischen. - Das Gleichgewicht zwischen Wild und Wald.
Deshalb wünsche ich dem Wild parallel zum Abschuß andere Problemlösungsstrategien für den Schutz unserer Bergwälder. Meines Erachtens treibt z. B. der Besucherdruck, vorallem in den Bergregionen, das Wild übermässig oft zurück in die Deckungen und dies führt unweigerlich zu einer hohen Verbißbelastung. Ich denke, eine gute Öffentlichkeitsarbeit könnte da eines verbessern und helfen Abschußzahlen mässigen zu können.
Martin Weckel
11.09.2008 - 09:56 Uhr
Gemeinsam Bayerns Bergwälder schützen...
Viel zu lange und von der Öffentlichkeit unbemerkt wurden die bayerischen Bergwälder, die Siedlungen und Strassen vor Lawinen und Steinschlag schützen sollten als Zuchtstätten für kapitale Gams- und Hirschgeweihe missbraucht.
Fachleuten vom Deutschen Alpenverein (DAV) und vom Bund Naturschutz (BUND) zufolge hatte dies katastrophale Folgen für den natürlichen Baumnachwuchs, den nun vielerorts stählerne Lawinenverbauungen ersetzen müssen. Dass sich die Bayerischen Staatsforsten als größter Waldbesitzer Bayerns so deutlich zum gesetzlichen Grundsatz Wald vor Wild und gegen die Trophäenhege bekennen verdient die Anerkennung und Unterstützung aller Bewohner der Alpentäler, der Privatwaldbesitzer, des Naturschutzes, der Jagdgenossenschaften und der (Lokal-)Politik.