Hat die Fichte im Staatswald noch eine Chance?

Zukunft der Fichte im bayerischen Staatswald

Buchenvoranbau unter Fichtenschirm: Der Anteil der Fichte im Staatswald wird zugunsten Laubhölzern bzw. Tanne und Douglasie verringert.

Tännesberg, 22. Juli 2011 – Die Jahrestagung der Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz des Bayerischen Forstvereins in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten stand ganz unter dem Zeichen des Klimawandels und seinen Auswirkungen auf den bayerischen „Brotbaum“, die Fichte. Vorstand Reinhardt Neft sowie Waldbauspezialisten und Praktiker des Forstbetriebs Flossenbürg und der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten stellten zentrale Überlegungen und erste Erfahrungen mit den neuen, Anfang 2009 veröffentlichten Fichtenbewirtschaftungsgrundsätzen im bayerischen Staatswald vor. Diese stimmen hoffnungsvoll, dass die Fichte in strukturreichen und stabilen Mischwäldern bei entsprechender waldbaulicher Behandlung auch in Zukunft unter erschwerten klimatischen Bedingungen einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit unserer Wälder leisten kann.

Das provokative Motto der Tagung spielt auf die Tatsache an, dass die Fichte die bedeutendste Baumart im Staatswald darstellt. Bei einem Flächenanteil von 44% entfallen auf sie 53 % des Vorrats und sogar 58% des jährlichen Zuwachses. Die Bayerischen Staatsforsten verdanken ihr knapp drei Viertel der jährlichen Holzerlöse. Die Fichte ist derzeit mit Abstand die von den Sägewerken am stärksten nachgefragte Baumart. Gleichwohl wird die Fichte vom Klimawandel am intensivsten betroffen sein: Die flachwurzelnde und auf ganzjährig gute Wasserversorgung angewiesene Fichte war bereits bisher gegenüber Trockenheit, Sturm, Borkenkäfer sehr anfällig. Dies führte periodisch zu hohen Zwangsnutzungen von Schadholz und anschließendem Preisverfall auf den Märkten. Der prognostizierte durchschnittliche Temperaturanstieg von 2 bis 4 Grad in den nächsten 100 Jahren wird die Situation erheblich verschärfen. Um das Risiko für die Forstbetriebe zu reduzieren, ist es unabdingbar, noch bestehende Fichtenreinbestände konsequent in standortgerechte Mischwälder umzubauen. Die Fichte wird deshalb im Bayerischen Staatswald an Bedeutung verlieren, ihr Anteil in den nächsten fünf Jahrzehnten von 44% auf 36% sinken. Gleichzeitig soll jedoch zum wirtschaftlichen Ausgleich der Anteil der Tanne und Douglasie von derzeit 3 % auf mindestens 8 % steigen.

Das neue Fichtenbewirtschaftungskonzept setzt dabei konsequent auf strukturreiche, gemischte und stabile Waldbestände, die einen dauerwaldartigen Charakter erhalten sollen. Konsequente Waldpflege, Einbringung von Laubbaumarten, Tanne und Douglasie sowie die Förderung des Strukturreichtums sind die Schwerpunkte des waldbaulichen Handelns. „Unser Ziel sind stabile, strukturreiche Mischwälder. Diese können den künftigen Anforderungen der Gesellschaft am besten gerecht werden“, betont der für Waldbau zuständige Vorstand Reinhardt Neft. „Die Fichte wird weiterhin in den Mischwäldern des Bayerischen Staatswalds ihren Platz haben: Dort, wo es der Klimawandel erlaubt. Aber nicht auf Kosten eines unkalkulierbaren Betriebsrisikos. Sicherheit geht vor kurzfristigen Ertrag.“



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Philip Stahl
26.07.2011 - 22:36 Uhr

Sehr gute und weitsichtige Ansichtsweißen von Herrn Neft, welchen ich absolut zustimme.

Eins der größten Probleme sehe ich in den Schalenwildbeständen, insbesondere den Rotwildbeständen, diese an das Waldbaukonzept anzupassen, bzw. zu halten!

mfg. Philip Stahl