Die Anpassungskünstlerin Waldkiefer - Fachtagung zum Baum des Jahres 2007
Das „Kuratorium Baum des Jahres“ wählte die Waldkiefer (Pinus sylvestris L.) zum Baum des Jahres 2007. Auf einer ganztägigen Fachtagung am 13. Juli in Walderbach dreht sich alles um diese besondere Baumart und ihre Zukunft in Bayern.
Die in fast ganz Europa und Asien verbreitete Baumart gilt als Anpassungskünstlerin an extreme Standorte und Klimabedingungen, insbesondere an längere Trockenphasen. Aus diesem Grund wird ihr angesichts des drohenden Klimawandels eine steigende Bedeutung zugeschrieben. Dort, wo die Fichte durch Borkenkäferfraß und Trockenschäden ausfällt, wie z.B. in Mittelfranken, bietet die Kiefer eine wichtige Unterstützung für Waldumbau und Wiederbewaldung. In den Wäldern der Bayerischen Staatsforsten hat die Kiefer aktuell einen Flächenanteil von 17 Prozent - das entspricht zusammengenommen rund 123.000 Hektar.
Eine herausragende Bedeutung hat die Kiefer aus naturschutzfachlicher Sicht. Die großen Kronen mächtiger Altkiefern bieten genügend Platz für die Horste von Schwarzstorch, Greifvögeln und Kolkrabe. Die Knospen und jungen Nadeln sowie das unter dem lichten Kieferschirm wachsende Beerkraut sind wichtige Nahrungsquelle für das Auerhuhn. Auch bei den Höhlenbrütern, wie Schwarzspecht, Rauhfußkautz und Hohltaube stehen die alten Kiefern hoch im Kurs. Die Bayerische Staatsforsten hat ein Biotop- und Altbaumkonzept erstellt, in dem u.a. der Erhalt ökologisch wertvoller Biotopbäume angestrebt wird.
In den vergangenen Jahrhunderten führten Kahlschläge und Streunutzung zur Degradierung der Böden, auf welchen dann oft nur noch die Kiefer wuchs. Heute erholen sich diese Böden langsam wieder, so dass dort anspruchsvollere Baumarten gedeihen können. Von Natur aus in größerem Umfang vorkommend ist die Kiefer vor allem in der Oberpfalz sowie in Ober- und Mittelfranken. Überall in Bayern kann sie Moore, flachgründige Böden und trockene Sandkuppen aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit besiedeln.
Als „regionale Kiefernrasse“ gilt die Selber Höhenkiefer, die sich an die rauen klimatischen und standörtlichen Gegebenheiten der Selb-Wunsiedler Bucht angepasst hat. Die natürliche Auslese hat lange, schlanke und kegelförmige Kronen hervorgebracht, an welchen der nasse Schnee gut abrutschen kann. Vollholzigkeit, Feinastigkeit, gleichmäßige Jahrringe, Langschaftigkeit und milder, honigfarbener Kern sind weitere Eigenschaften.
Hervorragende Kieferbestände finden sich auch im Bamberger Hauptsmoorwald, wo die Kiefer durch ihr Pfahlwurzelsystem hervorragend an die tiefer gelegenen Grundwasserschichten heran kommt und vor allem in hohem Alter ein starkes Wachstum aufweist. In den 1950er Jahren wurde ein Großteil der Kiefernbestände mit Eichen, Roteichen, Buchen, Hainbuchen sowie Linden angereichert, so dass sich Erholungssuchenden ein buntes Waldbild zeigt. Der Bamberger Hauptsmoorwald ist ein vortreffliches Beispiel dafür, wie sich in Kiefernwäldern Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen vereinen lassen.
Faltblatt zur Fachtagung am Freitag, 13. Juli in Walderbach
Veranstalter der Tagung sind die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) unter Mitwirkung der Bayerischen Staatsforsten.
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