Schwarzstorch sucht Wohnung - ruhige Lagen bevorzugt

Schwarzstorch

Schwarzstorch im Nest (Foto: Martin Hertel)

Der Schwarzstorch ist ein empfindlicher Zeitgenosse: Würde man ihn fragen, was er am meisten schätzt, bekäme man wohl zur Antwort: Ruhe. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn es ihm zu laut wird, nimmt er Reißaus. Er packt seine Siebensachen und zieht um. Im Grunde ist das eine natürliche und gesunde Reaktion. Das Problem dabei ist jedoch, dass es zum Einen nicht mehr so viele ruhige Plätzchen gibt, die den hohen Anforderungen der Störche genügen. Zum anderen kann man auf die sensiblen Vögel nur dann Rücksicht nehmen, wenn man weiß, wo sie nisten. Andernfalls ist die Folge klar: Nachwuchsmangel und Schwächung der Population.

Im nördlichen Bayern hat sich deshalb eine Immobilienallianz der besonderen Art gegründet. Der Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten hat zusammen mit engagierten Vogelschützern ein Projekt gestartet, das dem Schwarzstorch zu einem längerfristigen Mietverhältnis auf dem Baum seiner Wahl verhelfen soll. „Schwarzstorchmonitoring“ heißt das Programm, bei dem die Förster und Waldarbeiter der Bayerischen Staatsforsten Meldung machen, wenn sie Schwarzstörche gesehen haben. Die Dipl.Forstwirtin Cordula Kelle-Dingel vom Landesbund für Vogelschutz machte sich anschließend auf die Suche nach neuen Schwarzstorchnestern im Staatswald des Forstbetriebs Rothenkirchen. Die so gefundenen Brutplätze meldete sie den zuständigen Revierleitern, damit in den jeweiligen Gebieten Störungen während der Brutsaison vermieden werden oder wenn möglich Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Peter Hagemann, Forstbetriebsleiter in Rothenkirchen, freute sich über die effektive Zusammenarbeit, die auf gemeinsamen Zielen mit den Naturschutzverbänden basiert: „Im Naturschutzprogramm der Bayerischen Staatsforsten hat der Schutz seltener und bedrohter Arten eine wichtige Rolle. Wir haben ein großes Interesse, Brutplätze des Schwarzstorches zu erhalten und damit das Überleben der Art zu sichern.“

Der Schwarzstorch ist seit den achtziger Jahren Brutvogel im Frankenwald. Normalerweise sind die Vögel sehr nesttreu und nutzen ihre Brutplätze oft über Jahrzehnte. Bedingt durch den trockenen Sommer 2003 und den daraus resultierenden Sturm- und Borkenkäferschäden gingen jedoch mindestens neun Brutplätze verloren – ein Verlust, den die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten nun mit dem gemeinsamen Monitoring soweit wie möglich kompensieren möchten. In wenigen Tagen, wenn die Störche auf Ihrer Rückreise aus dem Winterurlaub wieder in den Frankenwald einschweben, wird sich der Erfolg der Maßnahme zeigen. Das Angebot an ruhigem Wohnraum inklusive Kinderzimmern ist jedenfalls vorhanden.



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