Offener Brief an Greenpeace

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spessartforstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten haben in einem offenen Brief die Hamburger Umweltgruppe Greenpeace aufgefordert, die "Unterstellungen und Falschbehauptungen" zu unterlassen und die Kampagne auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beenden.

Hier der offene Brief im Wortlaut:

"Offener Brief der Beschäftigten der Spessartforstbetriebe an Greenpeace

 Keine Greenpeace-Kampagne auf unsere Kosten ! Der Wald im Spessart muss nicht vor uns geschützt werden, sondern er ist das Spiegelbild der Arbeit von Generationen von Förstern/Försterinnen und Waldarbeitern/Waldarbeiterinnen.

Sehr geehrte Damen und Herren, seit einigen Wochen betreiben Sie eine sehr öffentlichkeitswirksame Kampagne, die aus unserer Sicht mit Unterstellungen, Falschbehauptungen und damit zweifelhaften Mitteln arbeitet. Auf unserem Rücken versuchen Sie, Ihre fragwürdigen Ziele durch zu setzen. Damit stellen Sie die Arbeit von uns Beschäftigten in Frage, die mit großer Motivation und Fachwissen für den Wald und den Naturschutz arbeiten.

Viele Kolleginnen und Kollegen, die diesen Brief befürworten, sind im Spessart geboren, aufgewachsen oder arbeiten hier schon sehr lange. Wir kennen und lieben „unseren“ Spessartwald. Unsere fachliche Qualifikation, Erfahrung und Kompetenz setzen wir ein, um den Wald bestmöglich nachhaltig zu bewirtschaften und ihn für künftige Generationen zu bewahren. Dass wir heute so schöne Buchen- und Eichenwälder haben, liegt an der langfristigen und kontinuierlichen Bewirtschaftung durch Forstleute, von welcher der Wald und die Menschen profitieren.

Ein Beispiel für unseren sorgsamen Umgang mit den Wäldern im Spessart ist das, von den im Spessart wirtschaftenden Forstleuten entwickelte, Naturschutz- und Totholzkonzept. Dieses Konzept ist richtungweisend für die naturverträgliche Waldwirtschaft und durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Seit es im Spessart Menschen gibt, werden die Wälder von diesen genutzt. In unserer Region haben die Menschen noch eine tiefe Beziehung zum Wald. Sie leben mit aber auch von der Natur und das soll auch so bleiben! Wir fordern daher:

  • Stoppen Sie ihre Kampagne und hören Sie auf die Arbeit und das Engagement der Beschäftigten unserer Spessartforstbetriebe in ein falsches Licht zu rücken.
  • Wir wollen unsere Wälder schützen und nutzen! Die Brennholzversorgung der örtlichen Bevölkerung, die Ausübung der Forstrechte, die Pflege und Instandhaltung der Wegenetze, um der Öffentlichkeit Freizeit- und Erholungsgenuss zu ermöglichen, muss weiterhin gewährleistet sein. Auf welcher Flächenkulisse unbewirtschaftete Referenzflächen im Wald notwendig sind, sollte auf wissenschaftlicher Grundlage entschieden werden. Ob dies auf 10% der öffentlichen Wälder geschehen muss, ist für uns aufgrund des ständig steigenden Bedarfs an Rohstoffen eher fraglich.
  • Der Eigentümer des Waldes (Freistaat Bayern) hat darüber zu befinden, ob und wie sein Wald genutzt wird.
  • Sicherung der Arbeitsplätze im Wald! Die sorgfältige und naturnahe Bewirtschaftung der wertvollen Laubholzbestände im Spessart ist nur durch qualifiziertes Forstpersonal vor Ort in mindestens der derzeitigen Zahl erreichbar.
  • Keine Buchenmonokulturen, sondern klimatolerante und stabile Buchen-Mischbestände mit der weltberühmten Spessarteiche! Dies ist der Wald, den wir auch an künftige Generationen weitergeben wollen.
  • Kein Prozessschutz in Buchen- und Eichenwäldern. Hier verlieren wir die Eiche im Konkurrenzkampf mit der Buche. Stattdessen integrativer Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung. Der Rückgang der Eiche würde einen erheblichen Verlust an Biodiversität nach sich ziehen, da sehr viele Arten streng an die Eiche gebunden sind.


Der Einsatz von Greenpeace für die Natur fand bislang unseren Respekt. Mit dieser unseriösen Kampagne hat sich Greenpeace für uns jedoch unglaubwürdig gemacht und viel Ansehen verspielt. Der Wald im Spessart ist in guten Händen und bedarf keiner Rettungsaktionen seitens ihrer Organisation. Ihr Engagement sollten Sie wirklich dort einsetzen, wo Umwelt- und Naturschutz substanzieller Unterstützung bedürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstbetriebe Hammelburg, Heigenbrücken und Rothenbuch"



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Stefan Meier
27.04.2012 - 12:36 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren Unterzeichner des offenen Briefes an Greenpeace

Sie haben einen vorzüglichen Brief verfasst, dessen Inhalt und Diktion wir in jeder Weise unterstützen.
Wir meinen, dass Ihre Äußerungen die Unterstützung unserer ganzen Branche Forst und Holz bedarf. Senden Sie Ihr Schreiben mit der Bitte um Unterstützung doch an den DFV, DfWR und DHWR. Die Öffentlichkeit kann lernen, dass wir es sind, die mehr vom Walde verstehen!

Dies zu kommunizieren, muss das Ziel des kommenden Jahres der Nachhaltigkeit sein.

Stefan Meier für GRUBE KG sowei auch für die Stiftung BAUM DES JAHRES

Marion Stein
29.03.2012 - 14:47 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Forstarbeiter,

folgendem Punkt Ihres offenen Briefes stimme ich voll und ganz zu:

„Der Eigentümer des Waldes (Freistaat Bayern) hat darüber zu befinden, ob und wie sein Wald genutzt wird.“

Der Freistaat Bayern und somit die Bürger Bayerns als Eigentümer des Staatswaldes sollten entscheiden, ob und wie ihr Wald genutzt wird. Somit wäre es der richtige Weg die Bürger per Bürgerentscheid abstimmen zu lassen, ob 10 % der Waldfläche aus der Nutzung genommen werden.

Freundliche Grüße von einer Bürgerin Bayerns :-)

Markus Melzer
26.03.2012 - 17:02 Uhr

Glückwunsch zu dem guten, durchdachten und ausgewogenen Brief der Beschäftigten.
Mehrere Jahunderte der verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung haben den Spessart dazu gemacht, wofur er berühmt ist.
Daher hoffe ich auf eine weitere sinnvolle Nachzucht der Eiche um das einzigartige Erbe dieses Walds zu erhalten!
Im übrigen verweis ich auf meinen kürzlich abgegebenen Kommentar bei der "MainPost", wo ich folgendes ausgeführt habe:
"Als Wald- und Baumliebhaber gilt meine Vorliebe und mein Interesse insbesondere der Eiche. Gerade im Hochspessart finden sich noch wenige einzigartige und ausgesprochen wertvolle Eichenbestände vor, die ich schon häufig durchwandert habe, letztmals am vergangenen Wochenende. Die Eichen des Spessarts sind durchaus einzigartig und wurden in der entsprechenden Fachliteratur in den letzten Jahrzehnten häufiger behandelt. Neben der eindrucksvollen Form dieser Bäume, die sie schon aus landschaftsgestaltender Sicht sehr bedeutend machen sind sie gerade wegen ihrer Biodiversität sehr wertvoll, da sie zahlreichen andern Pflanzen, Pilzen und Tieren als Heimat dienen und somit eine herausragende ökologische Bedeutung haben.
Da ich von der Kampagne zum Schutz von Buchenwäldern gehört habe, möchte ich dazu folgendes ausführen:

Die Art und Weise, wie Greenpeace vorgeht ist, ist der Sache des Baum- und Waldschutzes m. E. wohl eher abträglich.
Zumal die einzelnen Darlegungen aus meiner zugegeben nicht durch eine von einem forstwirtschaftlichen Studium fundierte Sicht abwegig sind. Wenn man sich über eine Baumart im Spessart Sorgen macht, ist das zuallerletzt die Buche, die ja dort unter nahezu optimalen Wachstumsbedingungen gedeiht und auch vielerorts ohne große „Nachhilfe“ verjüngt. Das kann man auch an zahlreichen Stellen beobachten. Das dieser am häufigsten vorkommende Baum auch entsprechend forstwirtschaftlich genutzt wird, ist ja naheliegend. Es gibt auch, so weit ich das als interessierter Beobachter erkennen kann, eine Vielzahl von älteren und alten Buchenbeständen im Bereich des Staatswalds im Spessart die häufig aus ehemaligen Werteichenbeständen hervor gingen. Damit zeigt sich für mich die Kurzsichtigkeit der Greenpeace-Argumentation. Denn es ist gerade ein Gebot der Nachhaltigkeit und einer verantwortungsvollen Forstwirtschaft, wenn man einige dieser Bestände oder auch nicht standortgerechte Nadelholzbestände auf Eiche verjüngt. Denn zum einen gab es im Spessart wohl schon immer einen nicht unerheblichen Eichenanteil, denn wenn auch im frühen 17.ten Jahrhundert die wertvollen, alten und einfach einzigartigen Eichenbestände indirekt durch den Menschen (wohl Schweinemast von Kriegsflüchtlingen) begründet wurden, muss es ja definitiv eine nicht unerhebliche Anzahl von Muttereichen aus früheren Jahrhunderten gegeben haben (die wohl keiner Jahrhunderte zuvor künstlich gepflanzt hat) die mit ihrer Mast für die üppige Eichensaat gesorgt haben. Die armen Menschen damals hatten ja sicher andere Sorgen als Eicheln mühsam in den Spessart zu bringen. Daher ist es doch absolut richtig, wenn dieses Erbe heute durch Eichensaatflächen an künftige Generationen weitergegeben wird. Zum anderen werden diese Bestände ja schon wegen der Wertschöpfung der Eichen später mit Buchen unterbaut und damit wird über längere Sicht der Buchenanteil in diesen Beständen wieder sukzessive steigen. Darüber hinaus ist auch anzumerken, dass die Eiche natürlich in den letzten Jahrhunderten vom Menschen gefördert wurde, aber auf der anderen Seite diese auch für Bauholz, den Schiffbau (Holländerholz) und in den letzten Jahrzehnten als Wertholz für die Möbelherstellung sehr intensiv genutzt wurden. Wäre diese Nutzung weitgehend unterblieben so wäre auch heute der Eichenanteil noch um ein gutes höher. Als der Spessart vor rd. zweihundert an Bayern kam, war die Eiche auch noch wesentlich häufiger vertreten.

Daher bin ich sehr froh, dass die Spessartförster auch weiterhin versuchen im Rahmen einer verantwortungsvollen, nachhaltigen Forstwirtschaft die Eiche als bedeutende und in vielen (nicht nur monetären!!!) Belangen wertvolle Baumart zu erhalten und entsprechend auch neue Bestände zu begründen."

Insgesamt bin ich der Ansicht die Arbeit der Mitarbeiter der Spessartforstbetriebe sollte entsprechend anerkannt und nicht in einem derartigen Ausmaß in Misskredit gebracht werden.