Älter, dicker, mehr

Demographischer Wandel bei der Buche

Buche im bayerischen Staatswald

Eine der wesentlichen Eigenschaften von Bäumen ist ihre Geduld. Das gilt besonders für die Buche. Mit fast buddhistischer Ruhe steht sie manchmal für viele Jahre einfach im Schatten rum und wartet auf ihre Chance. Anderen Bäumen wäre das ja zu langweilig, aber nicht der Buche. Nach außen stoisch und ruhig, in ihrem Inneren aber voller Tatendrang harrt sie der Dinge. Bis sich eines schönen Tages das Kronendach über ihr öffnet. Wenn dann endlich genug Licht von oben kommt, geht’s los. Vorbei ist’s mit der Ruhe, mit knirschender Borke schiebt sie ihren Stamm nach oben. Meter um Meter und unaufhaltsam wächst sie der Sonne entgegen, bis schließlich ein mächtiger Baum aus dem einst so kleinen Pflänzchen geworden ist. Knapp fünfzig Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt kann die Buche werden.

Wenn man dann als forstlich nicht gebildeter Zeitgenosse vor einem ausgewachsenen Exemplar der Art Fagus Sylvatica steht, kann man kaum glauben, dass die Buche auch ein richtiges Sensibelchen sein kann. Starke Sommertrockenheit auf tonigen Böden: mag sie gar nicht. Zuviel Regen und dauerhaft nasse Füße: lieber nicht. Spätfrost? Um Gottes Willen.

Die Buche ist eigentlich wie gemacht für atlantisches Klima. Für ein Klima, wie wir es auf großen Flächen haben. Ein ausgewogenes Nicht-zuviel-und-nicht-zuwenig. Die Klimahülle der Buche, also das Spektrum aus Niederschlag und Temperatur, das eine geographische Lage zum Wellness-Bereich macht, sieht fast aus wie maßgeschneidert für das Klima in Mitteleuropa.

Natürlich gibt es auch in unseren Breiten Gegenden, die nicht mit so schönen Buchenbeständen gesegnet sind wie der Steigerwald oder der Spessart. Denn Bäume wachsen bekanntlich in der Erde und die Buche, Sie ahnen es schon, mag auch nicht in jeden Untergrund ihre Wurzeln schlagen.

Wissen sollte man aber auch, dass die schönen Buchenwälder hierzulande nicht nur gottgegeben sind. Generationen von Förstern mit viel Sachverstand und genauso viel Herzblut haben Hand angelegt. Darum ist der Ausdruck vom Waldkulturerbe auch ganz richtig. Denn die Wälder, wie wir sie in Deutschland kennen und lieben, sind fast alle Kulturwälder, also von Menschenhand angelegt, gepflegt und bewirtschaftet. Seit rund dreihundert Jahren arbeitet die Forstwirtschaft streng nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Nicht mehr entnehmen als nachwächst, könnte man etwas vereinfacht auch sagen.

Zur Nachhaltigkeit, wie wir sie leben, gehört die Bereitstellung von Holz für Gesellschaft und Industrie, genauso aber auch der Naturschutz und der Erhalt der Biodiversität. Der immense Artenreichtum in unseren Wäldern ist damit auch das Ergebnis unserer naturnahen Forstwirtschaft. Der immer wieder neu erhobenen Forderung nach pauschalen Flächstilllegungen aus Biodiversitätsgründen kann die deutsche Forstwirtschaft jahrzehntelange Erfahrung im pfleglichen Umgang mit Wäldern und die Integration von Naturschutzaspekten in die Waldbewirtschaftung entgegenstellen.

Wenn wir über den nationalen Tellerrand hinausblicken, zeigt sich, dass dem Naturschutz und auch dem Klimaschutz mehr gedient ist, wenn wir unsere Wälder pfleglich, naturnah und im Rahmen des Prinzips der Nachhaltigkeit bewirtschaften. Denn Studien zeigen, dass bewirtschaftete Wälder eine günstigere Kohlendioxidbilanz aufweisen als nicht bewirtschaftete. Was ja auch logisch ist: Wird doch Jahr für Jahr CO2 in Form von Holz entnommen und in Dachstühlen, Möbeln und Holzböden gespeichert. Gleichzeitig bindet das nachwachsende Holz neues CO2. Darüber hinaus ersetzt Holz energieintensive Materialien wie z.B. Stahl oder Beton.

Hinzu kommt, dass wir für jeden Hektar Wald, der bei uns aus der Nutzung genommen wird, Holz importieren müssten – und das aus Ländern, wo Raubbau an der Natur an der Tagesordnung ist und Naturwälder durch Plantagen in Form von Monokulturen ersetzt werden. Mit Naturschutz und Erhalt der Biodiversität hätte das nichts zu tun, sondern eher mit einer regional begrenzten Sichtweise auf die Dinge.

Mit der Forderung nach pauschalen Flächenstilllegungen einher hinkt immer wieder der Vorwurf, die Wälder würden ausgeplündert. Die bayerischen Wälder können damit nicht gemeint sein, denn nachprüfbar nehmen seit Jahrzehnten die Waldfläche und auch der Holzvorrat in den Wäldern zu. Die Wahrheit ist: Der Wald in Bayern setzt Speck an. Übertragen auf die Buche sind die Zahlen der letzten Jahre sogar überdurchschnittlich positiv: Im bayerischen Staatswald wird seit Jahren nur etwas mehr als die Hälfte dessen geerntet, was an Buchenholz zuwächst. Unsere Buchen werden, vor allem in Altbeständen, älter und sie werden dicker, oder wie der Forstmann sagt: stärker. Dem durch nichts belegten Vorwurf der Gefährdung der Buchenwälder steht eine Realität gegenüber, die durch umfangreiche Waldinventuren belegt ist.

Zu glauben, man müsse den Wald vor denjenigen schützen, die über viele Jahrzehnte den guten Zustand des Waldes hergestellt haben, ist widersinnig. Genauso widersinnig ist die Forderung, die über viele Jahrzehnte etablierte naturnahe Forstwirtschaft, die im Staatswald auf eine Optimierung aller Waldfunktionen abstellt, von der Mensch und Natur profitieren, zugunsten einer kontraproduktiven Käseglockenmentalität abzuändern.  

Gerade die Buchenbestände im bayerischen Staatswald sind das beste Beispiel für eine funktionierende, den Naturschutz integrierende naturnahe Forstwirtschaft.



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hans asse
09.06.2013 - 10:06 Uhr

Sehr informativ für einen Laien und in angenehmem Stil geschrieben.Danke.

Ruschen Cetinköprülü
16.03.2012 - 16:56 Uhr

Podiumsdiskussion mit Greenpeace:
an alle Interessenten: am nächsten Mittwoch, 21.03.2012, findet in der Aschaffenburger Stadthalle (am Marktplatz) um 19:00 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Greenpeace statt. Greenpeace hat hierfür die Aschaffenburger Stadthalle gemietet.
MfG Ruschen Cetinköprülü

Ruschen Cetinköprülü
13.03.2012 - 07:41 Uhr

Hallo Herr Seitzinger,

gerne - Sie erreichen mich unter ruschen@web.de. (bis Ostersonntag wird es allerdings eine Apfelschorle, anstatt des gute Schlappeseppls).

Ich bin schon sehr gespannt darauf zu hören warum man eigentlich Plantagen, die auf ehemaligen natürlichen Waldflächen angelegt wurden, zertifiziert.

Ich diskutiere auch gerne über die Waldbewirtschaftung im Spessart. Ich komme aus Gemünden/M, und war unter Herrn Loy Referendar im FoA Rothenbuch. Das wird interessant! Dann erzähle ich Ihnen auch gerne etwas über unsere Tätigkeit als Forstberater der Haida First Nation auf den Charlotte Inseln, BC, Kanada. Die wollten von uns lernen, wie wir in Bayern nachhaltig und naturnah unsere Wälder bewirtschaften. Finde ich schon klasse, dass der gute Ruf der bayrischen Forstwirtschaft schon bis zu den Haidas vorgedrungen ist. Dort sollte Greenpeace einmal tätig werden, da nämlich bis heute 80% deren Waldfläche von Weyerhaeuser, Husby & Co. vollkommen zerstört wurde und die Haida kämpfen jetzt verzweifelt um die letzten verbliebenen 20%.
Bis bald! Ruschen

Elmar Seizinger
12.03.2012 - 13:05 Uhr

Lieber Herr Cetinköprülü,
vielleicht sollten wir uns wirklich mal auf ein Schlappeseppel treffen. Dann erkläre ich Ihnen den FSC und Sie berichten von Ihren Erfahrungen aus dem Holzhandel. Spannend wird dann sein, wie sich Plantagen in Nordamerika unterscheiden, die a) gar nicht, b) nach PEFC und c) nach FSC zertifiziert sind. An dieser Stelle sollten wir aber keine Zertifizierungsdiskussion führen, es geht um die Bewirtschaftung des Waldes im Spessart und darum, dass ein großer Naturschutzverband daran Kritik übt.
Gestatten Sie mir nur einen Kommentar: schon heute liegt ein Brett aus einem 120-jährigen „naturnahen“ Bestand aus dem Spessart neben einem Brett aus einer 30-jährigen Radiataplantage. Das hängt nicht mit irgendeiner Zertifizierung zusammen.
Elmar Seizinger

Ruschen Cetinköprülü
08.03.2012 - 16:35 Uhr

Sehr geehrter Herr Seitzinger,
Ich bin als Förster und Holzhändler weltweit unterwegs und kaufe auch FSC zertifiziertes Holz. In Neuseeland wurde z.B. 94% des Primarwaldes gerodet und stattdessen Kiefernplantagen gepflanzt. Das Holz vieler dieser Plantagen, die vorher Primärwald waren, sind FSC zertifiziert!!!

Im gesamten Südosten der USA von Texas, über Alabama und Georia bis hoch nach North Carolina gibt es riesige Kiefernplantagen, die ich regelmäßig besuche und in denen ich FSC zerfifiziertes Holz kaufe. Die Forstbewirtschaftung dort läuft so: großflächiger Kahlschlag, maschinelle Bodenbearbeitung, dann kräftiger Herbizideinsatz und Düngung, maschinelle Pflanzung. Nach 11 Jahren erste Durchforstung, wieder Düngung. Nach 20 Jahren zweite Durchforstung, wieder Herbizideinsatz oder kontrolliertes Brennen zur Vernichtung der Bodenvegetation (einschl. Fauna), Düngung und nach 30 Jahren wieder Kahlhieb. Hierbei geht es nur um die Erzielung des maximalen Bodenertrags und hat mit naturnaher Waldbewirtschaftung, wie sie z.B. im Spessart betrieben wird, aber wirklich gar nichts zu tun.

Von der Verkaufsseite her kann ich nur abraten unsere Wälder FSC zertifizieren zu lassen. Dann liegt nämlich das Brett aus einem 120 jährigen naturnahen Fichtenbestand neben einem Brett aus einer 30 jährigen Radiataplantage - und beides ist ja FSC zertifiziert. Für welches Brett wird sich da der unwissende Kunde wohl entscheiden?

Ich kann Ihnen noch viele weitere Beispiele über den Etikettenschwindel mit Ihrem FSC Siegel aus meiner Praxis erzählen. Melden Sie sich mal bei mir, wenn Sie in Aschaffenburg sind. Dann lade ichSie gerne auf ein Schlappeseppl ein.
MFG Ruschen Cetinköprülü