Blatt für Blatt

Der Waldumbau im bayerischen Staatswald wird in 25 Jahren abgeschlossen sein.

Waldumbau

Mit der Fichte ist das so eine Sache: Einerseits ist sie ein schnell wachsender Baum mit einem vielseitig verwendbaren Holz. Andererseits – und nun kommt das Problem – wurzelt  die Fichte in aller Regel relativ flach: Sie braucht regelmäßige Regenfälle und ist bei Stürmen nicht besonders standfest. Der trockene Sommer 2003 und die Orkane Vivien, Wiebke, Lothar und Kyrill haben die Problematik auf brachiale Weise in das Bewusstsein einer der breiten Öffentlichkeit gerückt. In den Köpfen der Fachleute war die Problematik schon lange vorher angekommen. Bereits in den neunziger Jahren wurden die ersten Planungen erstellt, die wir heute Schritt für Schritt und Baum für Baum umsetzen. Wenn der Klimawandel seine Wirkung voll entfaltet, wird er auf einen deutlich stabileren und widerstandsfähigeren Wald treffen als heute. Bereits in 25 Jahren wird die waldbauliche Herkulesarbeit namens „Waldumbau“ abgeschlossen sein. Unsere Förster und Waldarbeiter werden dann die derzeit umbaufähigen rund 255.000 Hektar Fichten- oder Kiefernreinbestände – also etwa ein Drittel des gesamten bayerischen Staatswaldes - in gesunde und stabile Mischwälder umgebaut haben. Im Wald des Jahres 2035 werden Buche, Eiche, Ahorn, Tanne und Douglasie eine wichtige Rolle spielen. Sie sind das Rückgrat eines gesunden Mischwaldes, der dem Klimawandel die kalte Schulter zeigt.

Aktuelle forstliche Prognosen sehen vor, dass wir 7000 Hektar Waldumbaufläche pro Jahr schaffen können. Davon müssen 2000 Hektar mit jungen Bäumen bepflanzt oder junge Bäume gesät werden. Über 80 Prozent davon sind Laubbäume, aber auch Tannen und Douglasien. Um weitere 5000 Hektar kümmert sich die Natur selbst: Durch zielgemäße Naturverjüngung und Pflegemaßnahmen werden sie in Mischwälder umgewandelt. Unser Waldumbau-Ticker auf der Startseite informiert Sie über den Fortschritt, quadratmetergenau.

Von den beiden Varianten – Pflanzung oder Naturverjüngung – ist die natürliche Verjüngung unbestritten die ökologisch und betriebwirtschaftlich bessere Variante. Doch nicht immer ist das möglich: In Monokulturen oder nach größeren Windwürfen muss oft gepflanzt werden, um Mischbaumarten einzubringen.

Übrigens liegen wir bisher richtig gut im Rennen: Die Vorgaben in den ersten vier Geschäftsjahren seit Gründung der Bayerischen Staatsforsten wurden deutlich übertroffen. Allein im Geschäftsjahr 2009 haben wir zehn Prozent über das Soll hinaus gepflanzt.

Im Detail sieht die Rechnung so aus:

Insgesamt gibt es im Staatswald 255.000 Hektar Waldflächen, die umgebaut werden müssen*. Davon sind bereits rund 90.000 Hektar (aktuellen Stand: siehe Waldumbau-Ticker auf der Startseite) vorausverjüngt, d.h. dass unter dem Schirm von Fichten- oder Kiefernwäldern bereits die zukünftig angestrebte Mischung von Baumarten vorhanden ist. Von den verbleibenden 165.000 Hektar werden 50.000 Hektar über Pflanzung oder Saat umgebaut. 115.000 Hektar verjüngen sich natürlich. Bei einer jährlichen Pflanzung von 2000 Hektar ist der Waldumbau spätestens in 25 Jahren abgeschlossen.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage: Warum bauen wir den Wald nicht noch schneller um?

Zum einen sind einzelne Fichtenmonokulturen noch sehr jung. Diese Wälder wachsen erst in den kommenden Jahren in das Alter, in dem es Sinn macht, aufzulichten und unter den lichten Schirm zu pflanzen. Alle älteren Bestände weisen bereits brauchbare Naturverjüngung auf oder wurden aktiv unterpflanzt. Unsere Grundsätze einer naturnahen, einzelstammweisen und schonenden Holzernte widersprechen einem schnelleren und somit flächigen Vorgehen.

Zum anderen können wir beim derzeitigen Umbautempo auch in einigen Jahren noch Korrekturen an der Baumartenzusammensetzung vornehmen. Wir planen den Waldumbau im engen Schulterschluss mit Wissenschaft und Forschung. Gerade hinsichtlich des Klimawandels wird noch viel geforscht. Die Ergebnisse fließen in den Waldumbau mit ein.

 Einen Podcast zum Thema Klimawandel und Waldumbau hören Sie HIER.

*Die umbaurelevante Fläche im bayerischen Staatswald setzt sich so zusammen:

174.000 Hektar Fichtenreinbestände (d.h. über 80% Fichte) und älter als 40 Jahre
+50.000 Hektar Kiefernreinbestände (d.h. über 80% Kiefern) und älter als 80 Jahre
+22.000 Hektar Fichten-Kiefernbestände älter als 40 Jahre
+20.000 Hektar Kiefern-Fichtenbestände älter als 80 Jahre
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266.000 Hektar umbaufähige Fichten- und Kiefernwälder

- 11.000 Hektar Fichten-Kiefern in Hochlagen (natürliche Standorte für Fichten- und Kiefernbestände)

SUMME: 255.000 Hektar



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