Sehr geehrter Herr Schneider,
zur Klarstellung: Es geht bei der Klassifizierung immer um ganze Bestände, niemals um einzelne Buchen / Bäume.
Zur Klassifizierung ist zu sagen: Es gibt Buchenbestände, die älter als 180 Jahre sind, die der Klasse 1 angehören. Und es gibt Buchenbestände, die älter als 180 Jahre sind, die der Klasse 1 nicht angehören. Die Formulierung "Zum Beispiel gehören Buchenbestände .." ist im Sinne von "Es gibt zum Beispiel .." zu verstehen. Wie bereits beschrieben hängt die Klassifizierung letztlich von einer Reihe von Faktoren ab. Bei der Klassifizierung allein auf das Alter abzuheben, wäre zu eindimensional gedacht.
Mit freundlichen Grüßen
Konrad Prielmeier (Bayerische Staatsforsten)
Robert Schneider 23.01.2013 - 13:54 Uhr
Sehr geehrter Herr Prielmeier,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ihren Zeilen entnehme ich, daß Buchen, die älter als 180 Jahre sind nicht "automatisch" zur Klasse 1 gehören. Genau das steht jedoch auf Seite 2 des Naturschutzkonzeptes der Bayerischen Staatsforsten:
"...Je nach Bestandesform gelten unterschiedliche Altersgrenzen. Zum Beispiel gehören Buchenbestände, die älter als 180 Jahre alt sind, Eichenbestände über 300 Jahre und über
180-jährige autochthone Fichtenbestände und Bergmischwaldbestände außerhalb des Hochgebirges (Wuchsgebiet 15) der Klasse 1 an..."
Zumindest lese ich genau das heraus. Können Sie mir das bitte erklären?
Mit freundlichen Grüßen,
Robert Schneider
Konrad Prielmeier 07.01.2013 - 14:57 Uhr
Sehr geehrter Herr Schneider,
die Einteilung der Wälder in Klassen ist keine gesetzliche Kategorisierung, sondern eine naturschutzfachliche Einteilung, die von den Bayerischen Staatsforsten vorgenommen wird und die nur für den von uns bewirtschafteten Staatswald gilt.
Damit ein Waldgebiet als Klasse-1-Wald gilt, müssen verschiedene naturschutzfachliche Voraussetzungen gegeben sein. Eine, aber nicht die alleinige Voraussetzung für eine Klassifizierung als Klasse-1-Wald, ist das Alter des jeweiligen Bestandes. Ein weiteres Kriterium ist beispielsweise die räumliche Verteilung der Klasse-1-Wälder, um möglichst miteinander vernetzte ökologische Trittsteine sicherstellen. Deshalb KÖNNEN Buchenbestände mit einem Alter von über 180 Jahren der Klasse 1 zugeordnet werden. Einen Automatismus (über 180 Jahre = Klasse 1), wie dies von Greenpeace wider besseres Wissen immer wieder behauptet wird, gibt es nicht.
Allein im Forstbetrieb Rothenbuch gibt es (bei einer Gesamtbetriebsfläche von 17.300 ha) rund 1.300 ha Klasse-1-Wälder.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Naturschutzkonzept: http://goo.gl/ClwwK
Eine Übersicht über die Klasse-1-Wälder finden Sie hier: http://goo.gl/q1JSW
Mit freundlichen Grüßen
Konrad Prielmeier (Bayerische Staatsforsten)
Thomas Ulrich 03.01.2013 - 14:33 Uhr
Der Ansatz, die Greenpeace Kampagne wissenschaftlich untersuchen zu wollen geht mir nun doch bedeutend zu weit. Immer wieder ist auch hier zu lesen, dass die Greenpeace Aktionen wohl sorgfältig und gewissenhaft geplant werden und dass ja dort Experten am Werk seien, die ohne Grund wohl nicht tätig würden. Völlig übersehen wird aber hier die Tatsache, dass es eben Greenpeace und auch der spendenwilligen Bevölkerung, die ja diese Kampagne nur möglich macht, wohl an einer grundlegenden Kenntnis über den Wald und seiner Geschichte in Deutschland mangelt. Aber hier ist konkret auch dem Bund Naturschutz vorzuwerfen, dass es sich Aktivisten bedient, denen ja fast jedes Mittel recht ist, um eben eine Kampagne durchzuziehen. Dabei ist auch die Realität wohl des öfteren verbogen worden. Wollte Greenpeace mit ihren Waldexperten anfänglich noch 800 Jahre alte Buchen schützen,
(Quelle Greenpeace: http://blog.greenpeace.de/blog/2012/02/05/22792/ ) schadet laut Greenpeace nun die gesamte Bewirtschaftung des Waldes dem Klima. (Quelle Greenpeace: http://www.greenpeace.de/themen/waelder/presseerklaerungen/artikel/greenpeace_aigners_waldstrategie_schadet_dem_klimaschutz/)
Für mich ist beim besten Willen nicht ersichtlich, wo denn die mit bedacht und Fachwissen vorgehenden Experten bei Greenpeace zu finden sein sollten.
Viele Grüße und ein gutes neues Jahr!
Thomas Ulrich
Robert Schneider 29.12.2012 - 14:56 Uhr
Greenpeace hat in dem Faktencheck sehr glaubwürdig (anhand einer Forstkarte aus dem Jahr 1992) dargestellt, daß es sich um alten Buchenbestand, der "Klasse 1" handelt. Wieso schreibt die BaySF von einer "Klasse 2"? Wenn Buchen, die älter als 180 Jahre sind besonders schützenswert sind (laut BaySF-Richtlinie) wieso dann nicht diese?
Kommentare
Konrad Prielmeier
24.01.2013 - 11:44 Uhr
Sehr geehrter Herr Schneider,
zur Klarstellung: Es geht bei der Klassifizierung immer um ganze Bestände, niemals um einzelne Buchen / Bäume.
Zur Klassifizierung ist zu sagen: Es gibt Buchenbestände, die älter als 180 Jahre sind, die der Klasse 1 angehören. Und es gibt Buchenbestände, die älter als 180 Jahre sind, die der Klasse 1 nicht angehören. Die Formulierung "Zum Beispiel gehören Buchenbestände .." ist im Sinne von "Es gibt zum Beispiel .." zu verstehen. Wie bereits beschrieben hängt die Klassifizierung letztlich von einer Reihe von Faktoren ab. Bei der Klassifizierung allein auf das Alter abzuheben, wäre zu eindimensional gedacht.
Mit freundlichen Grüßen
Konrad Prielmeier (Bayerische Staatsforsten)
Robert Schneider
23.01.2013 - 13:54 Uhr
Sehr geehrter Herr Prielmeier,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ihren Zeilen entnehme ich, daß Buchen, die älter als 180 Jahre sind nicht "automatisch" zur Klasse 1 gehören. Genau das steht jedoch auf Seite 2 des Naturschutzkonzeptes der Bayerischen Staatsforsten:
"...Je nach Bestandesform gelten unterschiedliche Altersgrenzen. Zum Beispiel gehören Buchenbestände, die älter als 180 Jahre alt sind, Eichenbestände über 300 Jahre und über
180-jährige autochthone Fichtenbestände und Bergmischwaldbestände außerhalb des Hochgebirges (Wuchsgebiet 15) der Klasse 1 an..."
Zumindest lese ich genau das heraus. Können Sie mir das bitte erklären?
Mit freundlichen Grüßen,
Robert Schneider
Konrad Prielmeier
07.01.2013 - 14:57 Uhr
Sehr geehrter Herr Schneider,
die Einteilung der Wälder in Klassen ist keine gesetzliche Kategorisierung, sondern eine naturschutzfachliche Einteilung, die von den Bayerischen Staatsforsten vorgenommen wird und die nur für den von uns bewirtschafteten Staatswald gilt.
Damit ein Waldgebiet als Klasse-1-Wald gilt, müssen verschiedene naturschutzfachliche Voraussetzungen gegeben sein. Eine, aber nicht die alleinige Voraussetzung für eine Klassifizierung als Klasse-1-Wald, ist das Alter des jeweiligen Bestandes. Ein weiteres Kriterium ist beispielsweise die räumliche Verteilung der Klasse-1-Wälder, um möglichst miteinander vernetzte ökologische Trittsteine sicherstellen. Deshalb KÖNNEN Buchenbestände mit einem Alter von über 180 Jahren der Klasse 1 zugeordnet werden. Einen Automatismus (über 180 Jahre = Klasse 1), wie dies von Greenpeace wider besseres Wissen immer wieder behauptet wird, gibt es nicht.
Allein im Forstbetrieb Rothenbuch gibt es (bei einer Gesamtbetriebsfläche von 17.300 ha) rund 1.300 ha Klasse-1-Wälder.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Naturschutzkonzept: http://goo.gl/ClwwK
Eine Übersicht über die Klasse-1-Wälder finden Sie hier: http://goo.gl/q1JSW
Mit freundlichen Grüßen
Konrad Prielmeier (Bayerische Staatsforsten)
Thomas Ulrich
03.01.2013 - 14:33 Uhr
Der Ansatz, die Greenpeace Kampagne wissenschaftlich untersuchen zu wollen geht mir nun doch bedeutend zu weit. Immer wieder ist auch hier zu lesen, dass die Greenpeace Aktionen wohl sorgfältig und gewissenhaft geplant werden und dass ja dort Experten am Werk seien, die ohne Grund wohl nicht tätig würden. Völlig übersehen wird aber hier die Tatsache, dass es eben Greenpeace und auch der spendenwilligen Bevölkerung, die ja diese Kampagne nur möglich macht, wohl an einer grundlegenden Kenntnis über den Wald und seiner Geschichte in Deutschland mangelt. Aber hier ist konkret auch dem Bund Naturschutz vorzuwerfen, dass es sich Aktivisten bedient, denen ja fast jedes Mittel recht ist, um eben eine Kampagne durchzuziehen. Dabei ist auch die Realität wohl des öfteren verbogen worden. Wollte Greenpeace mit ihren Waldexperten anfänglich noch 800 Jahre alte Buchen schützen,
(Quelle Greenpeace: http://blog.greenpeace.de/blog/2012/02/05/22792/ ) schadet laut Greenpeace nun die gesamte Bewirtschaftung des Waldes dem Klima. (Quelle Greenpeace: http://www.greenpeace.de/themen/waelder/presseerklaerungen/artikel/greenpeace_aigners_waldstrategie_schadet_dem_klimaschutz/)
Für mich ist beim besten Willen nicht ersichtlich, wo denn die mit bedacht und Fachwissen vorgehenden Experten bei Greenpeace zu finden sein sollten.
Viele Grüße und ein gutes neues Jahr!
Thomas Ulrich
Robert Schneider
29.12.2012 - 14:56 Uhr
Greenpeace hat in dem Faktencheck sehr glaubwürdig (anhand einer Forstkarte aus dem Jahr 1992) dargestellt, daß es sich um alten Buchenbestand, der "Klasse 1" handelt. Wieso schreibt die BaySF von einer "Klasse 2"? Wenn Buchen, die älter als 180 Jahre sind besonders schützenswert sind (laut BaySF-Richtlinie) wieso dann nicht diese?