Waldwissen

Sonnenstrahlen im Wald

Weicher Waldboden, der jeden Schritt sanft abfedert. Das Laub raschelt. Die Luft ist rein und feucht vom Morgentau. Hoch oben in den Wipfeln treibt der Wind sein sanftes Spiel. Ein Eichhörnchen huscht den Stamm hinauf und sucht seinen Weg durch die oberen Etagen. Unser heimischer Wald bietet vielen Tieren- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Wir Menschen bewegen uns nur in einem kleinen Bereich.

Denn der Wald ist vertikal aufgebaut. Die Lebensräume reichen von den tiefsten Bodenschichten über die Kraut- und Strauchschicht und den Stammraum bis in die obersten Kronenbereiche. Und der Wald hat den Willen, sich breitzumachen: Ohne menschlichen Eingriff wäre Mitteleuropa nahezu vollständig mit Wald bedeckt. In diesem Expansionsdrang wird der Wald vom Menschen allerdings weit übertroffen, weswegen der Schutz des Waldes heute zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört. Und dazu braucht man jede Menge Wissen.

Ist eigentlich jeder Wald gleich? Nein, wie man sich bei der Frage schon denken kann. Je nach Standort und Bodenbeschaffenheit gesellen sich sehr unterschiedliche Spezies zueinander. Und weil praktische Lösungen meist gute Lösungen sind, werden die Waldformen schlicht entweder nach ihrer häufigsten Baumart oder nach ihrem Standort benannt.

Der Buchenwald.
Anpassungsfähig, robust und äußerst konkurrenzfähig. Die Buche fühlt sich in Mitteleuropa und speziell in Bayern ausgesprochen wohl und schiebt die Konkurrenz munter an die schwierigen Standorte ab. Lediglich nasse Böden, überflutete Flächen, Spätfrostlagen oder staubtrockene Gegenden überlässt sie gönnerhaft den übrigen Arten. Die Bodenbeschaffenheit bringt unterschiedliche Ausprägungen hervor:

  • Kalkbuchenwälder, z.B. im Schwäbischen und Fränkischen Jura, treten oft mit Eichen als Begleitbaum auf.
  • Braunerde-Buchenwälder, z.B. im Bayerischen Wald und im Alpenvorland, werden von Fichte und Tanne begleitet.
  • Bodensaure Buchenwälder, z.B. in Vorrhön, Frankenwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald, werden je nach Höhenlage von Eichen oder von Fichten, Kiefern und Tannen begleitet.

In Abgrenzung der typischen Standorte sind noch Auwälder und Bergmischwälder zu nennen.

Auwälder stehen in Gebieten, die oft überflutet werden, z.B. an der Mündung der Tiroler Ache in den Chiemsee, an der Isar bei Wolfratshausen und im Mündungsgebiet der Isar in die Donau.

Bergmischwälder mit ihrem Dreiklang aus Buche, Tanne und Fichte sind die dominierende Waldform in den bergnahen oder bergigen Gebieten. Im Frankenwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald zeigt sich die Buche oft dominant und wird je nach Höhenlage von Fichten, Kiefern, Bergahorn und Tannen begleitet. In den bayerischen Alpen klettern die Bergmischwälder bis zu einer Höhe von 1.500 m ü. NN. Oberhalb werden sie von Fichtenhochlagenwäldern, Lärchen, Zirben, Grünerlengebüsch oder Latschen abgelöst.